FI-Schutzschalter Typ A vs. Typ B - Was brauchst du wirklich?
Du stehst vor dem Verteilerkasten und fragst dich: Typ A oder Typ B? Keine Sorge — damit bist du nicht allein. Die Unterschiede zwischen den FI-Typen sind eines der häufigsten Themen bei der Elektroinstallation. Deshalb schauen wir uns das Ganze hier in Ruhe an.
Was macht ein FI-Schutzschalter überhaupt?
Zunächst das Wichtigste: Ein FI-Schutzschalter (auch RCD genannt) schützt Personen vor einem elektrischen Schlag. Sobald ein Fehlerstrom auftritt — zum Beispiel wenn Strom über deinen Körper zur Erde fließt — schaltet der FI innerhalb von Millisekunden ab. Er erkennt also die Differenz zwischen dem hinfließenden und dem zurückfließenden Strom. Daher auch der Name „Fehlerstromschutzschalter".
Allerdings ist FI nicht gleich FI. Je nachdem, welche Art von Fehlerstrom erkannt werden soll, gibt es verschiedene Typen. Und genau hier wird es spannend.
Die verschiedenen FI-Typen im Überblick
Typ AC - der Klassiker (aber veraltet)
Der Typ AC erkennt ausschließlich sinusförmige Wechselfehlerströme. Das war früher ausreichend, weil im Haushalt fast nur ohmsche Verbraucher wie Glühbirnen oder Heizungen liefen. Heutzutage ist der Typ AC in Österreich und Deutschland allerdings nicht mehr zulässig für Neuinstallationen. Er erkennt nämlich keine glatten Gleichfehlerströme, die durch moderne Elektronik entstehen.
Typ A - der Standard
Der Typ A erkennt sinusförmige Wechselfehlerströme und zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme. Genau diese pulsierenden Gleichfehlerströme treten bei Geräten mit Halbleitern auf — also bei praktisch allem, was ein Netzteil oder eine elektronische Steuerung hat. Dazu gehören beispielsweise Waschmaschinen, Geschirrspüler, LED-Dimmer, Computer und viele Küchengeräte.
Deshalb ist der Typ A heute der absolute Standard. Er wird in den meisten Installationen verbaut und ist normativ für Wohngebäude vorgeschrieben.
Typ B - der Alleskönner
Der Typ B erkennt alles, was der Typ A kann, und zusätzlich glatte Gleichfehlerströme. Diese entstehen bei Geräten mit dreiphasiger Gleichrichtung — zum Beispiel bei Frequenzumrichtern, bestimmten Wallboxen, PV-Wechselrichtern oder Induktionskochfeldern mit spezieller Elektronik.
Folglich ist der Typ B immer dann Pflicht, wenn die Herstellerdokumentation eines Geräts ihn ausdrücklich verlangt. Das kommt vor allem im gewerblichen Bereich und bei bestimmten E-Mobilitätslösungen vor.
Typ B+ - die Erweiterung
Darüber hinaus gibt es den Typ B+, der auch hochfrequente Fehlerströme bis 20 kHz erkennt. Dieser Typ wird allerdings nur in speziellen Anwendungen benötigt und spielt für die meisten Installationen keine Rolle.
Typ A oder Typ B für die Wallbox?
Das ist wahrscheinlich die häufigste Frage in diesem Zusammenhang. Und die Antwort ist: Es kommt auf die Wallbox an.
Viele moderne Wallboxen — wie etwa der Fronius Wattpilot — haben bereits eine interne DC-Fehlerstromerkennung (6 mA) verbaut. Dadurch reicht ein vorgeschalteter FI Typ A aus. Andere Wallboxen ohne diese integrierte Schutzfunktion benötigen dagegen einen FI Typ B oder einen FI Typ A EV (speziell für E-Mobilität).
Deshalb gilt: Schau immer zuerst in die Installationsanleitung deiner Wallbox. Dort steht eindeutig, welcher FI-Typ gefordert wird. Im Zweifel ist ein Typ B die sichere Wahl — allerdings auch die teurere.
Wichtig: Die Entscheidung sollte immer eine Elektrofachkraft treffen. Besonders bei Wallboxen ist eine fachgerechte Installation nicht nur empfohlen, sondern in Österreich und Deutschland gesetzlich vorgeschrieben.
Wann brauchst du welchen Typ? — Praxisbeispiele
Damit du ein besseres Gefühl bekommst, hier einige typische Einsatzszenarien:
Typ A reicht aus bei:
- Standard-Haushaltsstromkreisen (Steckdosen, Beleuchtung)
- Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler
- LED-Beleuchtung und Dimmern
- Wallboxen MIT integrierter DC-Fehlerstromerkennung
- Computer und Unterhaltungselektronik
Typ B ist erforderlich bei:
- Wallboxen OHNE integrierte DC-Fehlerstromerkennung
- Frequenzumrichtern (z. B. bei Klimaanlagen, Wärmepumpen)
- Bestimmten PV-Wechselrichtern
- Maschinen mit Drehstrom-Gleichrichtung
- Medizinischen Geräten (je nach Norm)
FI-LS-Kombination: Alles in einem Gerät
Zusätzlich gibt es FI-LS-Schalter, die Fehlerstromschutz und Leitungsschutzschalter in einem Gerät vereinen. Das spart Platz im Verteiler und vereinfacht die Installation. Besonders bei beengten Platzverhältnissen im Kleinverteiler ist das eine praktische Lösung.
Außerdem hat ein FI-LS den Vorteil, dass bei einer Auslösung sofort klar ist, welcher Stromkreis betroffen ist. Bei einem normalen FI, der mehrere Stromkreise absichert, musst du erst suchen, welcher LS ausgelöst hat.
Bemessungsfehlerstrom: 30 mA oder 300 mA?
Noch ein wichtiger Punkt: Der Bemessungsfehlerstrom (IΔn) bestimmt, ab welchem Fehlerstrom der FI auslöst.
- 30 mA — Personenschutz. Standard für alle Steckdosenstromkreise im Wohnbereich. Pflicht gemäß ÖVE/ÖNORM E 8001 und DIN VDE 0100-410.
- 300 mA — Brandschutz. Wird für Hauptleitungen oder Verteilungen eingesetzt, wo kein direkter Personenschutz nötig ist.
Zusammenfassend gilt: Für alles, wo Menschen mit Strom in Berührung kommen könnten, brauchst du 30 mA.
Häufige Fehler bei der FI-Auswahl
Zum Schluss noch typische Stolperfallen:
- Typ AC einbauen — Nicht mehr normkonform. Finger weg bei Neuinstallationen.
- Zu viele Stromkreise auf einen FI — Wenn der FI auslöst, ist alles dunkel. Besser: Mehrere FIs oder FI-LS-Kombis verwenden.
- FI-Typ nicht auf den Verbraucher abstimmen — Immer die Herstellerangaben prüfen.
- Keinen FI für die Wallbox vorsehen — Auch wenn die Wallbox eine DC-Erkennung hat, brauchst du trotzdem einen vorgeschalteten FI Typ A (mindestens).
Fazit
Der FI Typ A ist für die allermeisten Anwendungen die richtige Wahl. Den Typ B brauchst du nur dann, wenn ein Gerät glatte Gleichfehlerströme erzeugen kann und keine eigene DC-Fehlerstromüberwachung mitbringt. Entscheidend ist immer die Herstellerdokumentation und die geltenden Normen.
Im Zweifel: Frag deine Elektrofachkraft. Und wenn du den passenden FI-Schutzschalter suchst, wirst du bei uns fündig — von Hager über Schrack und Eaton bis Schneider Electric.