Leiterklemmen im Vergleich: WAGO, Reihen- & Lüsterklemmen

Leiterklemmen im Vergleich: WAGO, Reihen- & Lüsterklemmen

Leiterklemmen sind das unterschätzte Herzstück jeder sauberen Elektroinstallation – und genau deshalb lohnt sich der genaue Blick. Ob Steckklemme von WAGO, klassische Lüsterklemme oder Reihenklemme auf der Hutschiene: Die richtige Verbindung entscheidet über Sicherheit, Übersicht und Langlebigkeit deiner Anlage. In diesem Ratgeber zeigen wir dir daher, welche Klemme wann passt, welche Normen gelten und welche Fehler du dir sparen kannst.

Was sind Leiterklemmen?

Leiterklemmen sind elektrische Verbindungselemente, mit denen du zwei oder mehr Leiter sicher und werkzeuglos oder schraubend miteinander verbindest. Damit ersetzen sie das Verdrillen oder Löten und sorgen außerdem für eine normgerechte, gasdichte Kontaktstelle nach DIN EN 60998 (IEC 60998). Dabei gibt es sie als Steckklemmen mit Federkraft, als klassische Schraubklemmen (Lüsterklemmen) und als Reihenklemmen für den Verteilerbau.

Kurz gesagt: Eine Leiterklemme stellt eine dauerhafte, lösbare oder unlösbare Verbindung zwischen Leitern her – ganz ohne Lötkolben und ohne Risiko durch lockere Drahtenden. Dank moderner Federkraft-Technik lassen sich heute selbst feindrähtige Litzen sicher verbinden, ohne dass du jedes Mal mit Aderendhülsen arbeiten musst.

Welche Arten von Leiterklemmen gibt es?

Auf dem Markt findest du eine erstaunliche Vielfalt. Im Wesentlichen unterscheidet die Elektroinstallation aber zwischen fünf großen Gruppen. Dadurch lässt sich schnell die richtige Bauform für deinen Einsatz erkennen. Zudem hilft dir die folgende Übersicht beim direkten Vergleich.

  • Steckklemmen (z. B. WAGO 221/2273): Federzugtechnik, werkzeuglos, ideal für die Abzweigdose. Du steckst den abisolierten Leiter einfach in die Klemme – die Feder hält ihn dauerhaft sicher.
  • Lüsterklemmen / Reihenlüsterklemmen: Klassische Schraubklemmen aus Kunststoff. Günstig, weit verbreitet, aber empfindlich gegen Überdrehen und schlecht für feindrähtige Litzen ohne Aderendhülse.
  • Reihenklemmen für Hutschiene: Modulare Klemmenblöcke im Verteilerschrank. Es gibt sie als Durchgangsklemmen, Trennklemmen, PE-Klemmen oder N-Klemmen. Perfekt für ordentliche Verdrahtung im Schaltschrank.
  • Hauptleitungsklemmen: Großquerschnitt-Klemmen für den Hausanschluss – typisch bis 35 mm² oder 50 mm². Sie verbinden ankommende Hauptleitungen mit Abgängen im Zählerschrank.
  • Stoß- und Pressverbinder: Unlösbare Verbindungen mit Crimpzange, häufig im Außenbereich oder bei flexiblen Leitungen.

WAGO-Klemmen vs. Lüsterklemmen: Was ist der Unterschied?

Auf den ersten Blick erfüllen beide denselben Zweck, denn sie verbinden Leiter. In der Praxis unterscheiden sie sich aber deutlich in Handhabung, Sicherheit und Anwendungsbereich.

WAGO-Klemmen (oder allgemein Federzugklemmen) arbeiten mit einer Federkraft, die den Leiter automatisch presst. Du musst keine Schraube anziehen, und die Klemmkraft bleibt über Jahre konstant – selbst wenn sich der Leiter durch Erwärmung minimal verformt. Dadurch bist du auch bei Aluminium oder feindrähtigen Litzen auf der sicheren Seite.

Lüsterklemmen dagegen setzen auf zwei Madenschrauben pro Verbindungspunkt. Sie sind günstig, aber fehleranfälliger: Zu festes Anziehen kann den Leiter beschädigen oder die Hülle aus Polyamid sprengen. Zudem lässt die Klemmkraft mit der Zeit nach, wenn Temperaturwechsel die Schraube minimal lösen. Erfahrungsgemäß sind genau das die Klemmen, die du in alten Verteilerdosen mit verschmorten Adern findest.

Für Neuinstallationen greifen viele Elektriker heute deshalb zur Steckklemme – schneller, sicherer und reproduzierbar in der Qualität. In Bestandsanlagen, im Lampenanschluss oder bei kleinen Reparaturen hat die Lüsterklemme dennoch weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Außerdem ist sie für punktuelle Reparaturen oft die schnellere Lösung.

Welche Leiterklemme passt zu welchem Einsatz?

Die richtige Klemmen-Wahl hängt vor allem davon ab, wo du installierst, welchen Leitertyp du verbindest und welche Anforderungen die Anlage stellt. Zudem spielen Querschnitt und Anzahl der Leiter eine Rolle.

In der Abzweigdose der Wohnungsinstallation sind heute Steckklemmen wie die WAGO 221 die erste Wahl. Dabei nehmen sie je nach Modell bis zu fünf Leiter mit 0,2 mm² bis 6 mm² auf – feindrähtig und starr gemischt. Darüber hinaus erlauben sie sichtbare Kontrolle der Einstecktiefe durch das transparente Gehäuse.

Im Verteilerschrank dominieren Reihenklemmen auf der Hutschiene. Sie ermöglichen ein klares Verdrahtungskonzept, Beschriftung und einfache Erweiterung. Bei größeren Anlagen findest du außerdem N- und PE-Trennklemmen, die das Auftrennen für Messungen erleichtern.

Für den Hausanschluss oder die Verteilung großer Querschnitte kommen Hauptleitungsklemmen zum Einsatz. Dabei sind sie für Querschnitte bis 50 mm² ausgelegt und somit meist plombierbar. Im Außenbereich oder Feuchtraum brauchst du zusätzlich eine passende Abzweigdose mit mindestens IP 54 oder IP 65 – die Klemme allein reicht nicht.

Welche Normen gelten für Leiterklemmen?

Leiterklemmen müssen geprüft und nach internationalen Standards zertifiziert sein. Die wichtigsten Normen solltest du kennen, damit du im Zweifel das richtige Produkt erkennst. Dadurch erkennst du außerdem schon im Karton, ob es sich um eine geprüfte Klemme handelt.

  • DIN EN 60998-1 / IEC 60998-1: Allgemeine Anforderungen an Verbindungsmaterial bis 450/750 V.
  • DIN EN 60998-2-1: Anforderungen an Schraubklemmen.
  • DIN EN 60998-2-2: Anforderungen an schraubenlose Klemmen (Federzug).
  • DIN EN 60947-7-1: Reihenklemmen für Industriebetrieb (Hutschiene).
  • DIN VDE 0606: Verbindungsmaterial für niedrige Spannungen (national).

Achte beim Kauf zudem auf das Prüfzeichen VDE oder ENEC sowie auf die Angabe des zulässigen Querschnitts und der Bemessungsspannung. Außerdem solltest du die Angabe der Klemmrichtung und der maximalen Stromtragfähigkeit überprüfen. Billige No-Name-Klemmen ohne Prüfzeichen sind im Ernstfall ein Sicherheitsrisiko und in gewerblichen Anlagen schlicht nicht zulässig.

Welche Fehler treten in der Praxis besonders häufig auf?

In der Praxis sieht man bei Bestandskontrollen immer wieder dieselben Klemmen-Sünden. Dabei lassen sich die meisten ganz einfach vermeiden – wenn du sie kennst. Darüber hinaus zeigt sich erfahrungsgemäß, dass viele Schäden auf nur wenige Standardfehler zurückgehen.

  • Zu kurze Abisolierung: Der Leiter steckt nicht weit genug in der Klemme. Folge: schlechter Kontakt, Erwärmung, Schmoren. Die meisten Hersteller drucken die Abisolierlänge direkt auf die Klemme.
  • Feindrähtige Litze ohne Aderendhülse in Schraubklemmen: Einzelne Drähte stehen ab, der Kontakt wird unzuverlässig. Hier gehört eine gecrimpte Aderendhülse drauf.
  • Mischen unterschiedlicher Metalle: Kupfer und Aluminium gehören nicht in dieselbe Schraubklemme ohne speziell zugelassenes Klemmenmodell. Sonst droht Kontaktkorrosion.
  • Überlastung der Klemme: Zu viele Leiter, zu großer Querschnitt – immer die Herstellerangabe checken.
  • Klemmen im Putz oder unter Verputz vergraben: Verboten! Klemmenverbindungen müssen jederzeit zugänglich bleiben, also in einer Abzweigdose sitzen.

Federzug- oder Schraubklemme: Was ist technisch besser?

Die zentrale Frage bei modernen Leiterklemmen lautet: Federkraft oder Schraube? Beide Systeme haben dabei ihre Berechtigung, unterscheiden sich aber im Detail erheblich.

Federzugklemmen erzeugen die Kontaktkraft über eine vorgespannte Edelstahlfeder. Diese Feder gleicht thermische Längenänderungen des Leiters automatisch aus, sodass die Klemmkraft über die gesamte Lebensdauer konstant bleibt. Zudem ist die Verarbeitung reproduzierbar – egal ob Lehrling oder Meister: Der Leiter wird immer mit dem gleichen Druck gehalten. Gerade bei Erschütterungen, etwa in Industrieanlagen oder bei Wallbox-Installationen mit häufigen Lastwechseln, ist das ein klarer Vorteil.

Schraubklemmen punkten dagegen bei großen Querschnitten ab etwa 16 mm². Hier liefern sie höhere Anpresskräfte als jede Feder, weshalb Hauptleitungsklemmen klassisch verschraubt sind. Außerdem sind sie unschlagbar günstig, wenn nur wenige Verbindungen gemacht werden müssen. Darüber hinaus erlauben hochwertige Schraubklemmen mit Drahtschutzbügel auch das Klemmen feindrähtiger Leiter ohne Aderendhülse – Voraussetzung ist aber das richtige Modell.

Reihenklemmen mit Brücken: Wie spart das Verdrahtungsarbeit?

Im Verteilerbau sind Reihenklemmen mit Brücken eine echte Zeitersparnis. Statt jede Klemme einzeln zu verdrahten, steckst du eine isolierte Querbrücke aus zwei, drei oder zehn Polen über benachbarte Klemmen. Damit verbindest du etwa alle N-Leiter eines Stromkreises in Sekunden – sauber, dauerhaft kontaktiert und ohne Drahtsalat.

Brücken gibt es als Steck-, Schraub- oder Kammbrücken. Achte darauf, dass die Brücke zum Klemmenhersteller und zum Klemmentyp passt – kreuzweise mischen ist keine gute Idee. Erfahrungsgemäß sparen Brücken bei größeren Verteilern bis zu 30 % Verdrahtungszeit.

Wie wählst du die richtige Leiterklemme aus?

Bevor du zum nächsten Karton greifst, lohnt sich ein kurzer Blick auf vier zentrale Kriterien. Diese Checkliste hilft dir, im Baumarkt oder Webshop die passende Klemme auf Anhieb zu finden.

  1. Leitertyp und Querschnitt klären: Starr oder flexibel? 1,5 mm², 2,5 mm² oder 6 mm²? Die Klemme muss zur Leiterart und Größe passen.
  2. Anzahl der Adern bestimmen: Wie viele Leiter willst du verbinden? Steckklemmen gibt es typisch mit 2, 3 oder 5 Anschlüssen.
  3. Einsatzort prüfen: Innenraum, Feuchtraum, Verteiler oder Außenbereich? Daraus ergibt sich auch die nötige Abzweigdose mit IP-Schutzart.
  4. Prüfzeichen und Norm checken: VDE, ENEC oder gleichwertig – plus Angabe der zugelassenen Bemessungsspannung.

Wenn du unsicher bist, greife im Zweifel zur höheren Kategorie – also lieber eine Klemme für 6 mm² nehmen, auch wenn du nur 2,5 mm² verbindest. Somit hast du Reserve und musst beim nächsten Umbau nicht alles tauschen.

Häufig gestellte Fragen

Sind WAGO-Klemmen besser als Lüsterklemmen?

Für Neuinstallationen sind Steckklemmen wie die WAGO 221 in der Regel die bessere Wahl – sie sind schneller verarbeitet, halten die Klemmkraft konstant und akzeptieren auch feindrähtige Leiter ohne Aderendhülse. Lüsterklemmen sind günstiger und für einfache Lampenanschlüsse oder Reparaturen weiterhin zulässig, aber fehleranfälliger in der Verarbeitung.

Welche Leiterklemme brauche ich für feindrähtige Leitungen?

Für feindrähtige Litzen empfehlen sich Federzugklemmen wie die WAGO 221 oder 2273, die laut Datenblatt explizit feindrähtige Leiter zulassen. Verwendest du Schraubklemmen, gehört zwingend eine gecrimpte Aderendhülse auf die Litze – sonst ist die Verbindung weder mechanisch noch elektrisch sicher.

Wie viele Adern darf eine Klemme aufnehmen?

Das hängt vom Modell ab und steht auf der Klemme oder im Datenblatt. Typische Steckklemmen haben 2, 3 oder 5 Anschlüsse, Reihenklemmen meist 2 (Durchgang) plus Brückenmöglichkeit. Wichtig: niemals zwei Adern in einen Klemmpunkt stecken, der nur für eine Ader vorgesehen ist.

Sind Lüsterklemmen heute noch zulässig?

Ja, Lüsterklemmen nach DIN VDE 0606 sind in Deutschland und Österreich weiterhin zulässig, sofern sie korrekt verwendet werden. In der Praxis werden sie aber zunehmend von Federzugklemmen verdrängt, weil diese reproduzierbarer und sicherer in der Verarbeitung sind.

Brauchen WAGO-Klemmen eine Abzweigdose?

Ja, alle Klemmenverbindungen müssen jederzeit zugänglich bleiben und in einer geeigneten Abzweigdose sitzen. Im Putz oder hinter geschlossenen Wänden ist das nicht erlaubt – auch nicht mit der besten WAGO-Klemme.

Fazit

Leiterklemmen wirken simpel, sind aber das Rückgrat jeder sicheren Elektroinstallation. Wer Steckklemmen für Abzweigdosen, Reihenklemmen für den Verteiler und Hauptleitungsklemmen für den Hausanschluss richtig kombiniert, baut Anlagen, die übersichtlich, sicher und langlebig sind. Achte auf VDE-Prüfzeichen, passenden Querschnitt und sauberes Abisolieren – dann hält die Verbindung über Jahrzehnte.

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Hinweis: Arbeiten an der elektrischen Anlage dürfen nur von ausgebildeten Elektrofachkräften durchgeführt werden.

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